Gestalten und Erhalten

Traditionelle und moderne Weisheit verbinden, bedeutet nachhaltiges Wissen für eine neue Zeit

Theoretische Permakultur Gestaltung

Permakultur bildet den Oberbegriff für die Entwicklung und Umsetzung von ethisch basierten Leitsätzen zur Planung, Gestaltung und Erhaltung zukunftsfähiger Lebensräume. Schwerpunkte bilden dabei die Nahrungsproduktion, die Energieversorgung, die Landschaftsplanung und die Kreation nachhaltiger Gemeinschaften.

Grundgedanke ist das Wirtschaften mit erneuerbaren Energien und naturnahen Stoffkreisläufen im Sinne einer ökologisch, ökonomisch und sozial tragfähigen Nutzung aller Ressourcen. Die Permakultur richtet sich nach den 12 folgenen Prinzipien aus.

Beobachten und Interagieren

Mensch als Baum

Wenn wir uns die Zeit nehmen, die Natur sorgfältig zu beobachten, können wir daraus Lösungen für unsere gegenwärtige Situation gestalten.

Das Symbol repräsentiert einen Menschen, der eins mit einem Baum wird. Wenn wir die Natur beobachten, ist es wichtig, verschiedene Perspektiven zuzulassen. Das wird uns helfen zu verstehen, was mit den verschiedenen Elementen in einem System vor sich geht. Das Zitat "Schönheit liegt im Auge des Betrachters" soll uns daran erinnern, dass wir oft unser persönliches Wertesystem verwenden, um das Beobachtete zu bewerten. In der Natur gibt es nur Unterschiede, kein Falsch oder Richtig. Wir nehmen uns die Ruhe und Zeit zu beobachten, zunächst ohne Interpretation. Wir erkennen Muster, Details und Eigenschaften wieder zu schätzen. Wir interagieren mit Achtsamkeit und Kreativität mit dem, was ist und uns umgibt. Alle unsere Sinne liefern uns Informationen.

Energie auffangen und speichern

Energiespeicher Flasche

Wenn wir in Zeiten des Überflusses Systeme entwickeln, um Ressourcen zu sammeln, stehen sie uns in mageren Zeiten zur Verfügung.

Das Symbol repräsentiert Energie, die beispielsweise in einer Flasche für die spätere Verwendung bevorratet wird. Das Zitat "Es bringt dem Winzer guten Wein, im August der Sonnenschein" erinnert uns an die begrenzte Zeit, die uns zum Generieren und Speichern von Energie zur Verfügung steht. Im Vordergrund steht die Wiederentdeckung und adäquate Nutzung von Energieträgern wie Wasser, Humus, Saatgut oder Bäume, die für alle Kulturen ein überlebenswichtiger Reichtum waren und sind. Wir legen dabei besonderes Augenmerk auf eine lokale und regionale Autonomie, um uns im Zeitalter von schwindenden fossilen Brennstoffen aus unserer Abhängigkeit zu lösen. Wir können achtsam mit erneuerbaren und nichterneuerbaren Energien umgehen. Dadurch können wir dazu beitragen, dass sich die natürlichen Ressourcen wieder regenerieren können.

Überschuss ist überlebenswichtig

Angebissende Rübe

Wir stellen sicher, dass wir als Teil unserer Arbeit ökonomisch wertvolle Erträge erwirtschaften.

Das Symbol der angebissenen Rübe repräsentiert den Wettbewerb beim Erwirtschaften von Erträgen und das Zitat "Auf leeren Magen arbeitet sich schlecht" erinnert uns daran, dass wir und unsere Familien diesen Überschuss dringend benötigen, um überleben zu können. Wenn wir in unsere Umgebung eingreifen und diese verändern, sollte das produktiv sein und nicht nur uns Menschen dienen, sondern auch den übrigen Lebewesen und Elementen. Erfolgreiche Permakultur wird sich ausbreiten, da ertragreiche Systeme Nachahmer inspirieren.

Selbstregulierung in Systemen erkennen und nutzen

Die Erde als Organismus

Destruktive und unangemessene Entscheidungen und Aktivitäten werden abnehmen müssen, dann haben unsere natürlichen Systeme wieder die Möglichkeit, sich selbst zu regulieren.

Das Symbol der Erde repräsentiert den größten sich selbst regulierenden Organismus. Über Phänomene wie das der globalen Erwärmung gibt er uns kontinuierlich Feedback. Das Zitat "Erst die Siebte Generation wird die Sünden ihrer Väter erkennen" erinnert uns daran, dass negatives Feedback oft erst langsam und in ferner Zeit spürbar wird. In der Permakultur achten wir darauf, dass die Gestaltung eine Selbstregulierung des Systems ermöglicht. Damit wird ein Minimum an Eingreifen und Pflege nötig. Umso mehr wir von unseren eigenen oder lokalen Ressourcen abhängig sind, desto eher nehmen wir Feedback wahr und erkennen Probleme, auf die wir dann flexibel reagieren können.

Erneuerbare Ressourcen und Dienstleistungen verwenden

Das Pferd als Lastenträger

Die natürliche Vielfalt wird so schonend und effizient verwendet wie nur möglich, um den Konsum der nicht-erneuerbaren Ressourcen und unsere Abhängigkeit von ihnen zu reduzieren.

Das Pferd symbolisiert sowohl eine erneuerbare Ressource als auch eine erneuerbare Dienstleistung. Das Pferd düngt unseren Boden und dient uns als Lastträger. Das Zitat "Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde" erinnert uns daran, dass wir unsere Ressourcen auch partnerschaftlich und zukunftsfähig nutzen können, denn die exzessive Ausbeutung unserer Natur ist nicht nur teuer, sondern hat auch einen nachhaltigen negativen Effekt für unsere Umwelt. Erneuerbare Energien sind Ressourcen wie Sonne, Wind, Biomasse oder Wasser, die innerhalb einer angemessenen Zeitspanne durch natürliche Prozesse regeneriert werden. Wir nutzen sie produktiv und behutsam. Erneuerbare Dienstleistungen sind Funktionen, die wir von Pflanzen, Tieren oder fruchtbarem Boden bekommen ohne sie zu konsumieren. Gleichzeitig vermindern wir unseren Konsum an nicht-erneuerbaren Ressourcen.

Produziere keinen Abfall

Wurm als Humusproduzent

Wenn wir alle Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, sinnvoll nutzen und wertschätzen, wird keine verschwendet.

Der Wurm symbolisiert einen der effektivsten Wiederverwerter von organischer Materie. Er verwandelt pflanzlichen, tierischen und menschlichen "Abfall" in wertvolle Nährstoffe. Das Zitat "Für einen Nadelstich sei bereit, der spart dir viele zu späterer Zeit" erinnert uns daran dass vorausschauende Instandhaltung unnötigem Müll vorbeugt. Bill Mollison definiert jedes Produkt eines Elementes in einem System, das nicht produktiv von einer anderen Komponente des Systems genutzt wird, als Abfall. In natürlichen Ökosystemen gibt es keinen Abfall, restlos alle Bestandteile werden genutzt und verwendet. Wenn wir verzichten, vermindern, wieder verwenden, reparieren oder recyceln, können wir nachhaltig Müll vermeiden.

Gestalte vom übergeordneten Muster hin zum Detail

Spinnennetz als individuelles Muster

Wenn wir vom Bekannten und Erlernten zurücktreten und uns überraschen lassen, dann können wir Abläufe und Muster in unserer Gesellschaft und Natur neu kennen lernen. Sie stellen die Grundlage für unser Design dar, das wir kontinuierlich mit weiteren Details anreichern.

Das Muster eines jeden Spinnennetzes hat den gleichen Aufbau. Trotzdem baut jede Spinne ein einzigartiges und an die individuelle Situation angepasstes Netz. Das Zitat "Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht" erinnert uns daran, dass umso intensiver wir uns mit einem Detail beschäftigen, umso eher verlieren wir den Überblick und den Bezug zum Gesamtbild. Funktionierende komplexe Systeme tendieren dazu, sich aus funktionierenden einfachen Systemen zu entwickeln. Die geplanten und gewünschten Details eines Permakulturprojekts berücksichtigen übergeordnete Muster in der Natur und richten sich nach ihnen.

Kooperation statt Konkurrenz

Eine Gruppe von Menschen von oben

Wenn wir passende Elemente zusammenfügen entstehen Beziehungen und die einzelnen Bestandteile unterstützen sich gegenseitig.

Dieses Symbol repräsentiert eine Gruppe von Menschen aus der Vogelperspektive. Sie stehen im Kreis und halten sich an den Händen. Der Raum in der Mitte steht für den Holismus, bei dem das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile darstellt. Wenn wir als Gemeinschaft zusammenarbeiten, wird die Arbeit oft einfacher. Daran soll uns das Zitat "Viele Hände schaffen ein schnelles Ende" erinnern. Materie und Leben bestehen beide aus Teilstrukturen, deren Anordnung zu natürlichen Ganzen führt. In der Natur sind die Beziehungen bzw. Verbindungen zwischen diesen Einzelteilen genauso wichtig wie das Ganze selbst. In vielen Bereichen unserer Gesellschaft praktizieren wir Spezialisierung und Konkurrenz. Im Vergleich dazu unterstützt Permakultur integrierte und synergetische Ansätze.

Überschaubare und langsame Lösungen

Schnecke mit Haus

Kleine, langsame und einfache Lösungsstrategien machen Systeme für Menschen leichter überschaubar und nutzen lokale Ressourcen effizienter. Sie produzieren nachhaltigere Erträge, als große Systeme mit hohem Energie- und Zeitaufwand.

Die Schnecke ist klein und langsam, sie trägt ihr Haus auf dem Rücken und kann sich dadurch bei Gefahr besser schützen. Das Zitat "Die letzten werden die ersten sein" ermutigt uns zu Geduld und spiegelt uns wieder, dass in der Natur die meisten Prozesse langfristig funktionieren. Vermindern wir Geschwindigkeit und Mobilität, erhöht sich die Energie, die dem gesamten System direkt zur Verfügung steht, und damit erhöht sich seine Autarkie und Anpassungsfähigkeit. Systeme, die ohne hohen Energie- und Technologieaufwand gut funktionieren, sind einfacher instand zu halten, verwenden überwiegend lokale Ressourcen und unterstützen damit die regionale Ökonomie.

Vielfalt nutzen und bewahren

Kolibri saugt Nektar

Vielfalt reduziert die Anfälligkeit für eine Vielzahl von Risiken. Sie nutzt die Vorteile der individuellen Umwelt, in der sie besteht.

Die bemerkenswerte und einzigartige Anpassung des Kolibri, der bewegungslos schwebt, um aus bestimmten Blumen Nektar zu trinken, symbolisiert die Spezialisierung von Form und Funktion in der Natur. Das Zitat "Setze nicht alles auf eine Karte" erinnert uns, dass uns Vielfalt gegen die natürlichen Schwankungen unserer Umwelt absichert. Die Anzahl von nützlichen Verbindungen zwischen den einzelnen Arten trägt eher zur Stabilität eines Systems bei als die bloße Anzahl der Arten. Monokulturen benötigen große Mengen an fossiler Energie, um sie produktiv zu halten und erweisen sich als instabil und anfälliger für Krankheiten. Vielfältige Systeme sind belastbarer, anpassungsfähiger und erhöhen dadurch die Ausfallsicherheit und ermöglichen wiederum langfristige Selbstorganisation.

Den Reichtum von Randzonen erkennen und nutzen

Sonne über Flußlandschaft

In den Übergängen zwischen einzelnen Systemen finden die bemerkenswertesten Ereignisse statt. Diese Schnittstellen sind meistens auch die vielfältigsten und produktivsten Elemente eines Gesamtsystems.

Das Symbol eines Sonnenaufgangs über einer bergigen Landschaft, die einen Fluss mit Wasser speist, erweckt den Eindruck einer Welt, definiert von Randgebieten. Das Zitat "Glaube nicht, dass du auf dem richtigen Weg bist, nur weil dir viele vorausgegangen sind" erinnert uns daran, dass das gewöhnliche, offensichtliche und gängige nicht immer auch das nachhaltigste und wirkungsvollste System sein muss. Dort wo Ökosysteme aufeinander treffen und ineinander übergehen, entsteht mehr Leben, Vielfalt und Produktivität als in separaten Systemen.

Auf Veränderungen kreativ reagieren und sie nutzen

Schmetterling

Wir können positiven Einfluss auf unvermeidbare Veränderung haben, indem wir den Wandel sorgfältig beobachten und dann zum richtigen Zeitpunkt eingreifen.

Der Schmetterling, der aus der Raupe entsteht, ist ein positives Symbol der Veränderung. Das Zitat "Eine Vision ist, nicht die Dinge sehen, wie sie sind, sondern wie sie sein werden" soll uns daran erinnern, dass Veränderung mehr ist als eine lineare Hochrechnung. Wir nutzen natürliche Kreisläufe und Sukzessionsfolgen, um auf kommende Herausforderungen flexibel und adäquat antworten zu können. In der Permakultur geht es um Beständigkeit in lebendigen Systemen, die paradoxerweise sehr von Flexibilität und Wandel abhängt.

Die Symbole werden mit freundlicher Genehmigung von Richard Telford verwendet.